FANDOM


Beginen und Begarden heißen in den Quellen des 12. bis 14. Jahrhunderts die Mitglieder der Collegia Beguinarum, bzw. Beguinorum, religiöser Gemeinschaften, die zwischen Ordensgemeinschaften und Laien angesiedelt waren.

NameBearbeiten

Panorama beginenhof

Beginenhof in Brügge von außen.

Andere Schreibweisen sind Beguinen oder Begutten, Beguinae, beziehungsweise Beghardi, Beguini, Beckarden, weitere Bezeichnungen Polternonnen, Seelschwestern, Matemans (= Genossen), Lollarden, Zellenbrüder oder Celliten.

Der Name Beginen wird erst im 15. Jahrhundert von den Insassen dieser Stifte selbst gebraucht; in der früheren Zeit war es ein Schelt- und Sektenname, welcher von den „Brüdern“ und „Schwestern“ (so pflegten sie sich selbst zu nennen) zurückgewiesen wurde.

Die Herkunft des Namens Beginen oder Begarden ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Erzählungen in Verbindung mit dem Namen der Hl. Begga, welche in einer späteren Epoche zur Schutzpatronin der Beginenhäuser gemacht wurde, scheinen auf einer Legende zu beruhen. Wahrscheinlicher ist die Ableitung vom Namen eines Lütticher Priesters: Lambert le Bègues oder auch Lambert de Beghe (= Sammler) stiftete 1180 in Lüttich das erste Beginenhaus. In einem ihm gehörigen großen Garten in der Nähe der Stadt ließ er eine nicht kleine Anzahl einzelner Häuschen erbauen, die er Jungfrauen und Witwen ohne Unterschied des Standes und Vermögens unter der Bedingung zu Wohnungen gab, dass sie keusch und züchtig, arbeitsam und verträglich zusammen lebten. In der Mitte des Gartens ließ er eine kleine Kirche für seine Pfleglinge bauen. Sämtliche Bauten waren in zwei Jahren vollendet, und am 2. März 1184 wurde die Kirche dem heiligen Christoph geweiht. Lambert starb im Jahre 1187 in Lüttich. Seine Beginenhäuser aber vermehrten sich nach dem Lütticher Vorbild ungemein schnell, nicht allein in Lüttich, sondern auch in den ganzen Niederlanden, in Frankreich und Deutschland.

OrganisationBearbeiten

Alleinstehende Frauen und Witwen, ungeachtet des Vermögens oder des Standes, schlossen sich zu religiösen Gemeinschaften zusammen, ohne jedoch einer Ordensgemeinschaft anzugehören. Die Beginen legten nur ein Gelübde auf Zeit ab, das in der Regel jährlich erneuert wurde. Im Gegensatz zu den Ordensschwestern in den Klöstern war es den Beginen gestattet, wieder aus der Gemeinschaft auszuscheiden, ihr Vermögen mitzunehmen, zu heiraten und ein bürgerliches Leben zu führen. Daraus erklärt sich, dass man in der Blütezeit des Beginenwesens nur ältere Frauen in den Beguinenhäusern vorfand und es zur feststehende Regel geworden war, dass eine unverheiratete Frau nicht vor dem 40. Lebensjahr Beguine wurde, eine Regel, die sogar durch päpstliche Bullen sanktioniert worden ist.

Die Beginen lebten in so genannten Beginenhöfen. Jede Gemeinschaft war souverän und selbständig. Sie besaß eine Grande Dame oder Meisterin, die aus ihrer Mitte, meist für ein Jahr gewählt wurde. Die unterschiedlichen Beginenhöfe hatten unterschiedliche Zielsetzungen.

Die Beguinen gelten als der erste weltliche Verein frommer Frauen zu sittlich religiösen und praktischen Zwecken, ganz besonders aber zu dem Zweck, um die sittlich verkommene gesellschaftliche Stellung der Frauen der mittlern Stände wieder aufzubessern und zwar nicht durch strenge Abgeschlossenheit von der Welt, sondern besonders durch Krankenpflege, Beschützung Verlassener, Rettung Gefallener und Erziehung Unmündiger. Weiterhin betätigten sie sich als Leichenwäscherinnen oder übten das Textilhandwerk aus. Auch wenn die meisten Beginen wohlhabend waren, sorgten sie so durch diese Tätigkeiten für ihren Lebensunterhalt.

Beginen widmeten sich aber auch dem Gebet und der Kontemplation. Aus der Gemeinschaft der Beginen sind einige bekannte Mystikerinnen hervorgegangen, beispielsweise Juliana von Lüttich, auf deren Anregung das Fronleichnamsfest zurückgeht.

Beispiellos ist daraus hergehend ein umfassendes Archiv von Schriften der Selbstanalyse.

Nach dem Vorbild der Beginen wurde die männliche Gemeinschaft der Begarden gebildet.

GeschichteBearbeiten

Die Bewegung der Beginen entstand im 12. Jahrhundert in Belgien und Flandern.

Auf dem vierten Laterankonzil 1215 wurde die Gründung neuer geistlicher Gemeinschaften generell verboten, ein Jahr später erhielten die Beginen jedoch auf Ersuchen Jakob von Vitrys eine mündliche Bewilligungen vom Papst. Darauf folgte die Zeit der größten Ausbreitung des Beginenwesens im 13. und 14. Jahrhundert. Damals gab es Konvente in fast ganz Westeuropa, besonders in Oberitalien, Südfrankreich, Deutschland, den Niederlanden, Österreich und der Schweiz. In Köln gab es im Jahre 1240 etwa 2.000 Beginen.

Die Beginengemeinschaften standen zu den katholischen Orden, von welchen sie sich prinzipiell unterschieden, in Opposition und wurden vom Klerus nicht gerne gesehen.

Neben den sesshaften Beginen entstanden in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts auch wandernde Beginengemeinschaften, die vom Betteln lebten. Sie vertraten oft die extreme religiöse Vorstellungen des Meister Eckhart und wurden nicht nur von der Kirche, sondern auch von den Städten ungern gesehen. Einige dieser Bewegungen gerieten in den Ruf, Häretikern nahe zu stehen. Insbesondere die deutschen Bischöfe bekämpften die Bewegung und setzten 1311 auf dem Konzil von Vienne eine Verurteilung durch, von der der Papst nur die südlichen Niederlande (Flandern) ausnahm. Die deutschen Beginenhöfe wurden in der Folge aufgelöst.

Während noch die Inquisition von Toulouse vom Jahr 1307 ab zahlreiche Beginen und Begarden als Ketzer zur Einmauerung und Verbrennung verurteilt hatte, erließ Papst Johannes XXII. am 7. März 1319 eine Bulle, in welcher allen denjenigen Beginen und Begarden, welche die Regel der Franziskaner-Tertiarier annehmen wollten, Gnade zugesichert wurde. Viele Gemeinschaften stellten sich unter den Schutz des Franziskaner- oder Dominikanerordens. Die Bulle des Papstes Nikolaus V. vom 12. Februar 1453 nahm alle damals noch bestehenden Konvente in den Schoß der Kirche auf und verlieh ihnen die Rechte der Tertiarier. Beispiele für eine solche Gemeinschaft, die aus einer Beginengründung bis in unsere Zeit überlebte, sind die „Dillinger Franziskanerinnen“ und die „Franziskanerinnen von Maria Stern„ in Augsburg.

Innerhalb des Reichsgebiets verschwanden die Beginen mit dem 16. Jahrhundert. In Norddeutschland nahmen sie meist die Reformation an.

In Belgien, wo sie kirchlich organisiert wurden, existieren sie heute so gut wie nicht mehr, 2004 wurde von nur noch 5 aktiven Beginen in Flandern (darunter in Kortrijk und Gent) berichtet [1]. Die UNESCO hat 13 der 26 existierenden flandrischen Beginenhöfe, darunter den in Brügge, in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.

Sie hatten große Ähnlichkeit mit den heutigen evangelischen Frauenstiften und Diakonissen-Häusern.

Im Rahmen der Frauenbewegung kam es zu einigen Gründungen moderner Beginenhöfe [2]. Diese knüpfen zwar an das soziale Modell der traditionellen Beginen an, verzichten aber auf deren christlich-religiöse Komponente und betonen insbesondere den Aspekt des selbstbestimmten Zusammenlebens in Frauengemeinschaften.

Literatur Bearbeiten

  • Gertrud Hofmann, Werner Krebber: Die Beginen. Geschichte und Gegenwart, Topos plus 530. Mainz/Kevelaer 2004. 2. überarbeitete Auflage 2008. ISBN 3-7867-8530-9
  • Frank-Michael Reichstein: Das Beginenwesen in Deutschland. Studien und Katalog, Verlag Dr. Köster: Berlin 2001, ISBN 3-89574-427-1
  • Helga Unger: Die Beginen. Eine Geschichte von Aufbruch und Unterdrückung der Frauen, Herder Verlag: Freiburg im Breisgau/Basel/Wien 2005, ISBN 3-451-05643-7
  • Anne Arnold: Liebe und tue, was du willst. Eine historische Biographie der Begine Marguerite Porete, Books on Demand ISBN 3-8334-3425-2

Einzelnachweise Bearbeiten

  1. Der Tagesspiegel online, Reisemagazin, 27.6.2004, Online
  2. Liste moderner Beginenhöfe in Deutschland

Weblinks Bearbeiten


Dieser Artikel basiert auf dem Artikel „Beginen_und_Begarden“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 13. März 2007 (Permanentlink) und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.